Coronavirus: Es fährt ein Schiff nach Nirgendwo

Coronavirus: Es fährt ein Schiff nach Nirgendwo



Diese Mittelamerika-Reise dürfte dem Ehepaar aus Starnberg unvergesslich bleiben. Vor allem, weil es wegen der Coronavirus-Krise ein Urlaub mit Hindernissen wurde und die beiden am vergangenen Sonntag in "ein gänzlich anderes" Deutschland zurückkehrten: Hannelore und Wilhelm Hartmann gehören zu den etwa 125 000 Urlaubern, die von der Bundesregierung nach Deutschland zurückgeholt worden sind.


"Als wir Anfang März in den Urlaub flogen, war die Welt noch fast in Ordnung", sagt Hannelore Hartmann. "Nur Besitzer einer Glaskugel, in der man die Zukunft sieht, waren in der Lage, über den Tellerrand zu schauen und zu erkennen, dass 14 Tage später Italien zum Hotspot der Infektion mit dem Coronavirus wird und sich die Infektionen explosionsartig verbreiteten, auch in Deutschland." Seit die Hartmanns zurück sind, sehen sie sich Vorwürfen ausgesetzt, zu Unrecht, wie sie meinen. Sie werden kritisiert, dass sie die Reise erst gar nicht hätten antreten dürfen und dass sie auf Kosten des Steuerzahlers zurückgeholt wurden. Wer moralisierend den Zeigefinger hebe und Reisen in Zeiten des Klimaschutzes anprangere, dem sage sie: "Die Welt ist so wunderschön und vielfältig, dass man wenigstens ein Stückchen davon sehen sollte", verteidigt sich Hartmann. Den Rückflug hätten sie bezahlt, und die Entwicklung wegen Corona sei nicht abzusehen gewesen. "Damals gab es weniger als 100 Erkrankungen in Deutschland."


Die Hartmanns reisen normalerweise individuell. Doch diese Mal hatten sie sich für eine Kreuzfahrt entschieden, die von Jamaika aus über mehrere mittelamerikanische Staaten und wieder zurück gehen sollte. Erst als die Starnberger an Bord des Kreuzfahrtschiffes waren, kam die Schreckensnachricht, dass sie keinesfalls mehr nach Jamaika zurückkehren konnten. Mexiko sei noch sehr großzügig gewesen, erklärt Wilhelm Hartmann. Panama, Kolumbien und die Dominikanische Republik jedoch hätten ihre Häfen dicht gemacht.







Insgesamt etwa 125000 Urlaubern wurden von der Regierung nach Deutschland zurückgeholt.


(Foto: Privat)


Sieben Tage waren sie schon unterwegs, doch nachdem sie den Hafen Puerto Limon in Costa Rica verlassen hatten, habe der Kapitän entschieden, die Kreuzfahrt vorzeitig abzubrechen. "Der Kapitän war super, ruhig und besonnen", sagt Hannelore Hartmann. Rückblickend seien sie und ihr Mann froh, dass sie mit einem deutschen Veranstalter unterwegs waren. Drei Tage lang war das Schiff auf hoher See. In dieser Zeit sei verhandelt worden, welchen Hafen man noch anfahren dürfe.





Die Möglichkeit, mit dem Schiff direkt nach Hamburg zu fahren, habe der Kapitän ausgeschlossen. Das sei keine Option, habe er den etwa 1600 Passagieren an Bord ohne nähere Begründung mitgeteilt. Der unsichere Ausgang der Reise war laut Hartmann natürlich "das Thema Nummer 1" an Bord. Passagiere hätten gemutmaßt, ob es an den vielen chinesischen und ukrainischen Mitarbeitern an Bord liege, dass kein deutscher Hafen angefahren werden könne. Denn diese hätten nicht nach Deutschland einreisen dürfen.







Kreuzfahrt mit Hindernissen: Wilhelm Hartmann an Bord des Schiffs.


(Foto: Privat)


Dennoch sei die Stimmung auf dem Schiff sehr gut gewesen, so Hartmann. "Der Kapitän sagte, wir brauchen uns keine Sorgen zu machen." Und die Passagiere hätten darauf vertraut, dass er und der Veranstalter die Probleme lösen werden. Man sei den gewohnten Beschäftigungen nachgegangen: essen, trinken, Sport machen. Den Internetzugang, der an Bord gewöhnlich teuer ist, gab es umgehend kostenlos. Jeder konnte sich mit den Angehörigen austauschen und im Fernsehen die Entwicklungen in der Heimat verfolgen.





Nach drei Tagen kam die erlösende Nachricht, dass das Schiff Barbados anlaufen könne und die Bundesrepublik von dort aus einen Rückflug organisiere. Im Hafen mussten die Passagiere aber noch zwei Tage an Bord ausharren, bis sie an Land durften. "Sämtliche Passagiere, die alle ohne Symptome waren, wurden vom Hafen im Bus-Konvoi mit Polizei-Eskorte und Blaulicht über abgesperrte Straßen in rasendem Tempo direkt aufs Rollfeld gefahren", erzählt Hannelore Hartmann. Ihr Ehemann vermutet, dass die dortige Regierung ein Zeichen für die Bevölkerung setzen wollte nach dem Motto: "Wir beschützen Euch." Allerdings wurden die Koffer nicht ins Flugzeug geladen. Die Arbeiter hätten wohl Angst gehabt, sich anzustecken, so die Hartmanns. "Wir flogen wie Aussätzige in der Sondermaschine los."







Hannelore Hartmann an Land in Costa Rica.


(Foto: Privat)


Für die 360 Passagiere gab es in dem Flugzeug nach Frankfurt mit Ausnahme einer Notversorgung keinen Service - aus Sicherheitsgründen. Vom Flughafen wurden die Hartmanns von ihren Kindern abgeholt, die ihnen geraten hatten, Kontakte im Zug zu vermeiden, weil das Ehepaar altersmäßig zur Risikogruppe gehört. Auf fast leeren Autobahnen fuhren sie nach Hause - und sahen sich mit Ausgangsbeschränkungen konfrontiert: "Ich kam mir vor wie nach dem Krieg", sagt Hartmann.



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