Coronavirus in Deutschland: Erstmals Deutscher nachweislich an neuartigem Coronavirus gestorben

Coronavirus in Deutschland: Erstmals Deutscher nachweislich an neuartigem Coronavirus gestorben

Erstmals Deutscher nachweislich an neuartigem Coronavirus gestorben: Es handle sich um einen 60 Jahre alten Mann, der vor einer Woche nach Ägypten eingereist sei, teilte das ägyptische Gesundheitsministerium am Sonntag mit. Es ist zugleich der erste bekannte Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19 in Afrika.


Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland steigt weiter. Das Robert-Koch-Institut meldete am Sonntag um 15 Uhr insgesamt 902 Fälle, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Inzwischen gibt es in allen Bundesländern Infizierte, die einzige Ausnahme ist Sachsen-Anhalt.


Angesichts der steigenden Fallzahlen empfiehlt Gesundheitsminister Jens Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Zurzeit geschehe dies aus seiner Sicht immer noch zu zaghaft. "Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Von solchen Absagen betroffen könnten unter anderem Bundesligaspiele, Messen und große Konzerte sein (hier mehr dazu).


Die Situation in den Bundesländern


Das Virus hat sich inzwischen auf 15 Bundesländer ausgebreitet.


  • Nordrhein-Westfalen ist bislang am stärksten betroffen. Die meisten Corona-Erkrankungen werden aus dem Kreis Heinsberg gemeldet Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnet in seiner Auflistung für NRW 398 Fälle.

  • In Bayern gibt es dem RKI zufolge 172 Fälle; das bayerische Gesundheitsministerium meldete unterdessen, 200 Menschen seien positiv getestet worden. Verfolgen Sie aktuellen Entwicklungen im Detail in unserem Newsblog aus dem Freistaat.

  • In Baden-Württemberg meldet das RKI 182 Fälle. Insgesamt 66 neue Covid-19-Infektionen waren seit Freitagabend hinzugekommen.

  • Andere Bundesländer haben laut RKI weniger Fälle: Berlin (40), Niedersachsen (21), Hessen (19), Rheinland-Pfalz (19), Hamburg (13), Schleswig-Holstein (9), Mecklenburg-Vorpommern (8), Bremen (4), Sachsen (7), Saarland (4), Brandenburg (4), Thüringen (2).


Stand: 08.03.2020, 17:30 Uhr; Zahlen vom Robert-Koch-Institut beziehungsweise den zuständigen Behörden der einzelnen Bundesländer.


Italien sperrt Norden ab







Italien sperrt seinen Norden ab, das Herz seiner Wirtschaft. Die gesamte Lombardei sowie vierzehn Provinzen Venetiens, der Emilia Romagna, des Piemonts und der Marken gehören ab sofort und bis mindestens 3. April in eine Sicherheitszone, die nur noch betreten und verlassen darf, wer "unaufschiebbare" Arbeitsmotive hat. So steht es in einem neuen Dekret der Regierung, mit dem die Italiener die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen versuchen. Betroffen sind 16 Millionen Menschen.





Nach einer langen Krisensitzung seines Kabinetts sagte Italiens Premier Giuseppe Conte in der Nacht auf Sonntag den Medien, es handle sich nicht um eine "totale Blockade". Züge und Flüge werde es weiterhin geben, auch wolle er das Gebiet nicht "Zona rossa" nennen, rote Zone: "Aber ja, das sind sehr rigorose Maßnahmen." Dazu gehört auch die Schließung aller Museen, Theater, Kinos, Fitnesscenter, Kulturinstitute, Schwimmbäder und Skiorte. Verboten sind Hochzeitsfeste, Bestattungsfeiern und religiöse Prozessionen (hier mehr dazu).


Lufthansa streicht Flugplan zusammen


Nur noch 50 Prozent der Flüge sollen in den kommenden Wochen stattfinden, teilte die Lufthansa am Freitag mit. Die Buchungen seien dramatisch zurückgegangen, zahlreiche Flüge seien von den Passagieren storniert worden. Darauf müsse man reagieren. Betroffen seien alle Zielgebiete. Ähnliche Streichungen gibt es auch bei den Lufthansa-Töchtern Austrian, Swiss, Eurowings und Brussels.





Am Donnerstag fielen vor allem innerdeutsche Verbindungen sowie Flüge nach Italien aus. Der Verkehr nach China, Iran und Israel war bereits zuvor komplett eingestellt worden. Das Personal wurde aufgefordert, freiwillig in Teilzeit zu gehen oder unbezahlten Urlaub einzureichen. Auch wird in Deutschland und Österreich die Möglichkeit von Kurzarbeit geprüft. Der Branchenverband Iata hatte den möglichen Umsatzeinbruch im weltweiten Passagiergeschäft auf umgerechnet bis zu 100 Milliarden Euro geschätzt. Das sei in der Dimension mit der Finanzkrise 2008/2009 vergleichbar.


"Drive-in"-Teststationen für Coronavirus


In Hessen und in Baden-Württemberg gibt es erste Stationen, an denen Menschen aus ihrem Auto heraus eine Probe entnehmen lassen können. "Man bleibt dann einfach im Auto sitzen und kurbelt das Fenster runter", sagt Esslingens Leiter des Landratsamts, Peter Keck. Voraussetzung ist dort allerdings ein Anruf beim Hausarzt. Dieser vergibt einen Code. Ärzte und Helfer in Schutzkleidung nehmen direkt am Auto einen Abstrich für den Test. Bis das Ergebnis da ist, müssen die Betroffenen zu Hause in Quarantäne bleiben. Schwere Fälle mit intensiven Symptomen wie etwa Atemnot sollen vom Hausarzt aber weiterhin direkt in eine Klinik eingewiesen werden.


Derzeitige Lageeinschätzung des RKI


Wann der Höhepunkt der Ausbreitung erreicht sei, könne bislang nicht gesagt werden, heißt es vom RKI. "Wir wollen ihn so lange wie möglich hinauszögern", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Auch in den kommenden Tagen und Wochen dürften weitere Corona-Erkrankungen gemeldet werden.


Trotz der gestiegenen Fallzahlen bewertet das Institut die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung noch immer als "mäßig". Da die meisten bekannten Fälle in Zusammenhang mit einem Aufenthalt in einem Risikogebiet stehen oder es eine lokale Ballung von Fällen gibt, empfehlen die RKI-Virologen eine Eindämmungsstrategie (Containment). Sie sieht für alle, die Kontakt zu einer infizierten Person hatten, eine vorsorgliche häusliche Isolation vor. Diese dauert 14 Tage, das ist die maximale Dauer der Inkubationszeit.


Nach Einschätzung des RKI wird es zur Behandlung Infizierter schon bald Therapeutika geben. "Wir sind optimistisch, dass in den nächsten Wochen solche Medikamente in Deutschland eingesetzt werden", sagte Wieler. Der Einsatz eines Impfstoffes hingegen werde nicht so schnell möglich sein. Zwar würden vermutlich bereits in einigen Monaten erste Impfstoffe entwickelt, diese müssten aber erst umfangreich getestet werden, bevor sie für Patienten verfügbar gemacht werden.