Verbindung mit Covid-19? Schwere Erkrankung bei Kindern nimmt zu

Verbindung mit Covid-19? Schwere Erkrankung bei Kindern nimmt zu

Mit Sorge beobachten derzeit mehrere Länder Fälle einer gefährlichen Entzündungskrankheit bei Kindern. Ärzte warnen vor einer Verbindung zum Coronavirus.


Bislang galten Kinder als kaum gefährdet durch die vom neuen Coronavirus ausgelöste Lungenerkrankung  Covid-19. Zwar stecken sie sich Studien zufolge genauso häufig mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 an wie Erwachsene. Eine Infektion scheint bei ihnen in der Regel aber sehr mild oder ohne Symptome zu verlaufen. 


Nun jedoch sorgen Berichte für Beunruhigung, laut denen in verschiedenen europäischen Ländern Kinder wegen einer entzündlichen Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten. Experten schließen einen Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus nicht aus.




(Quelle: imago images / Fotoarena)


Immunität gegen Corona: Virologe Drosten widerspricht der WHO

Ist man nach der Genesung einer Covid-19-Erkrankung immun? Die WHO ist skeptisch. Virologe Drosten sieht es ein bisschen anders. (Quelle: Sat.1) 



Immunität bei Corona: Virologe Drosten widerspricht der WHO. (Quelle: Sat.1)




Großbritannien besorgt über "neue Krankheit"


So sind etwa in Großbritannien laut Gesundheitsminister Matt Hancock schon mehrere Kinder an einer womöglich "neuen Krankheit" gestorben, die mit Covid-19 zusammenhängen könnte.


"Es besteht die wachsende Sorge, dass ein (mit Covid-19) verwandtes Syndrom bei Kindern in Großbritannien auftritt. Oder dass ein anderer, noch nicht identifizierter, infektiöser Erreger mit diesen Fällen in Verbindung gebracht werden könnte", schreibt das britische "Health Service Journal". Die verstorbenen Kinder hatten ein schweres Entzündungssyndrom entwickelt, das offenbar durch eine Überreaktion des Immunsystems ausgelöst wird und seine Ursache im neuartigen Coronavirus und Covid-19 haben könnte.


Hancock sagte dem Sender LBC, das Syndrom gehe mit Fieber, angeschwollenen Drüsen, Hautentzündungen und bei schweren Verläufen mit einer Entzündung der Herzarterien einher und gleiche dem Kawasaki-Syndrom, das auch als mukokutanes Lymphknotensyndrom (MCLS) bekannt ist.


Mehrere Kinder mit Covid-19 auf Intensivstation 


Kürzlich hatte auch die britische Paediatric Intensive Care Society (PICS) darauf hingewiesen, dass es immer mehr schwer erkrankte Kinder mit einem "ungewöhnlichen klinischen Bild" gebe.



Der britische Gesundheitsdienst NHS hatte am Wochenende Ärzte in einem Rundschreiben darüber informiert, dass in den vergangenen Wochen mehrere meist positiv auf Covid-19 getestete Kinder mit solchen Symptomen auf Intensivstationen gekommen seien.





Alle diese Kinder hätten ein toxisches Schocksyndrom und ein atypisches Kawasaki-Syndrom gehabt und hätten Bauchschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und eine Herzentzündung bekommen. Typisch für das Kawasaki-Syndrom sind Gefäßentzündungen, Atembeschwerden, hohes Fieber, niedriger Blutdruck sowie Bauchschmerzen und Erbrechen.


Auch Kinder in Italien, Spanien und Frankreich betroffen


Ähnliche Verläufe waren schon vor einigen Wochen bei Kindern in Italien sowie in Spanien beobachtet worden. Auch in Frankreich haben mehrere Kinder solche entzündlichen Erkrankungen entwickelt, bei denen ein Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus nicht ausgeschlossen wird.


Wie der französische Gesundheitsminister Olivier Véran sagte, hätten ihn Berichte von Medizinern alarmiert, laut denen etwa 15 Kinder aller Altersstufen unter Symptomen wie Fieber, Beschwerden im Verdauungstrakt und Gefäßentzündungen litten, die eine Herzschwäche verursachen könnten. Das sagte Véran dem Radiosender Franceinfo. Auch Entzündungen der Herzgefäße träten mitunter auf.





Möglicher Einfluss auf Lockerungen für Kinder


Die Fälle könnten in den betroffenen Ländern beeinflussen, wie streng die Maßnahmen zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 insbesondere für Kinder künftig ausfallen.


Spanien etwa hatte die Maßnahmen gerade etwas gelockert. Dort dürfen Kinder unter 14 Jahren erst seit Sonntag wieder für täglich eine Stunde in Begleitung eines Elternteils aus dem Haus. Italien will ab dem 4. Mai wieder erlauben, dass Kinder in Parks spielen können.

Drosten fordert verlässliche Daten zur Ansteckung von Kindern


In Deutschland werden derweil die Schulen schrittweise wieder geöffnet, Kitas und Kindergärten bleiben allerdings vorerst weiter geschlossen. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité forderte kürzlich in einem Interview mit dem ORF, dass dringend verlässliche Daten zur Ansteckung von Kindern gewonnen werden müssten.


Drosten warnte auch, dass Studien, die eine geringere Übertragung des Coronavirus durch Kinder sehen, mit Vorsicht betrachtet werden sollten. Zum einen gebe es bislang dazu noch wenig Forschung, zum anderen gebe es bislang noch widersprüchliche Forschungsergebnisse.